Uni Bonn: Kantiges Ostinato
Mozarts "Requiem" im Original und als Jazz-Version
Von Mathias Nofze
Bonn. Mozarts "Requiem" in einer
Jazz-Version? Puristen dürfte bei der Vorstellung das Grausen packen. "Das höre
ich mir erst gar nicht an", meinte denn auch ein Besucher in der Uni-Aula und
ging vor der Pause. Hätte er aber doch tun sollen.
Denn wie die Bigband der Universität die Mozartsche Musik in den
Stilbereich des Jazz holte, war ein interessantes Experiment, allemal hörenswert
und vor allem glänzend gespielt.
Oliver Pospiech, Leiter der Bigband,
nähert sich in seiner rein instrumentalen Jazz-Interpretation der Mozartschen
Vorlage respektvoll und mit einer angemessenen Komplexität, die ein Abrutschen
ins Sentimentale und Läppische verhindert. Pospiech nutzt Mozarts Musik nicht
einfach als Steinbruch, sondern bewahrt die Form, fügt jedoch Soli ein, ändert
Tempi, verselbstständigt Motive.
Den "Introitus" spielte ein Trio aus
Klavier, Kontrabass und dezentem Schlagzeug, das "Requiem aeternam" "sangen"
tiefe Bläser, bei "Lux perpetua" geriet die Musik dann auf die Swing-Gleise.
Während das "Kyrie" noch eine Art Jacques-Loussier-Harmlosigkeit vermittelte,
waren die als scharf-blitzende Bläserakkorde harmonisierten "Dies irae"-Rufe von
großer Eindringlichkeit.
Das "Tuba-mirum"-Motiv lieferte ein kantiges Ostinato für diverse Soli, und
von ganz erstaunlicher Wirkung war die Transformation des "Rex tremendae" in
einen melancholischen New-Orleans-Trauermarsch mit grellen Trompeten und
Trommelwirbel. Das "Recordare" zogen Trompete, zwei Saxophone und Posaune sehr
klangschön ans Jazz-Ufer, das "Lacrimosa" wurde zum Jazz-Waltz.
Die Frage bleibt, ob das nun Mozarts Musik "modernisiert", oder umgekehrt
dem Jazz Würde verleiht, oder lediglich eine glänzende Stilübung ist. Zuvor war
im Semesterabschlusskonzert des Collegium musicum unter Leitung von Walter L.
Mik Mozarts "Requiem" in der Süßmayr-Fassung zu hören. Das Werk erlebte eine
spannungsvolle Wiedergabe, leider geriet das "Lacrimosa" etwas
schwerfällig.
Der Chor gefiel mit drahtigen Koloraturen, machtvollem
(manchmal etwas sopranlastigem), aber auch sehr innigem Gesang, das Orchester
zeigte sich spielfreudig und gewandt, mit Judith Decker, Sopran, Alexandra
Thomas, Alt, Lothar Blum, Tenor, und Burkhard Zass, Bass, hörte man ein solides
Solistenquartett.